
Von (fast) Anfang an war Herr Peter Goerdt dabei. Ausgebildet als Diplom-Handelsschullehrer war er hier Schulleiter von 1962 bis Juni 1990. Zuvor war er einige Zeit Lehrer an der Handelsschule in Rhöndorf, in der damals nur junge Männer mit Behinderung unterrichtet wurden, während im Vinzenz-Heim junge Frauen mit Behinderung auf kaufmännische Berufe vorbereitet wurden. Er hatte hier einen sehr guten Start als Schulleiter. Herr Goerdt unterrichtete die Fächer Bürowirtschaft, Rechnungswesen und Betriebswirtschaftslehre, das er als sein Lieblingsfach bezeichnete.
Herr Goerdt stellt es als Zufall dar, dass er der Leiter dieser Schule geworden ist, doch für die Schule war es wohl ein Glücksfall. Zur damaligen Zeit war es sehr ungewöhnlich, dass junge Menschen mit einer körperlichen Behinderung schulisch gefördert wurden. Die jungen Frauen, die hier internatsmäßig untergebracht waren, kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen und den umliegenden Bundesländern. Wegen der Behinderung, aber auch wegen weiter Schulwege war es dort für sie unmöglich, sich schulisch weiterzubilden.
Hier, an dieser Schule, konnten sie es und sie nahmen diese Chance wahr. Für sehr viele war die Schulbildung an der Handelsschule der Start in ein erfolgreiches Berufsleben, aber nicht nur im kaufmännischen Bereich!
Jeder Lehrer hat wohl im Laufe seiner Tätigkeit Erlebnisse, an die er sich später gern erinnert, oft auch mit einem Schmunzeln. Herr Goerdt erzählte uns sein "Schmunzelerlebnis: "Früher, so in etwa in den 60-er Jahren, gab es in der Handelsschule einige andere Fächer, als Sie es heute kennen. So gab es auch den Kochunterricht. Und da ich als Schulleiter mich ja von der Qualität des Unterrichts überzeugen musste, wurde ich von dieser Kochgruppe einmal im Jahr eingeladen. Und ich sehe noch heute eine mit Torten überladene Tafel vor mir. Das Verkosten der köstlichen Torten war ein großer Spaß für mich!"

Die Schüler und Schülerinnen interessiert es, wie die Lehrer zu dieser Schule gekommen sind. Als Schulleiter war Herr Goerdt dafür zuständig. Da wir eine sehr kleine (und private) Schule sind, konnte Herr Goerdt sich die Lehrkräfte selbst aussuchen. In den Anfangsjahren, d. h. in den Sechzigern, waren an allen Schulen die Lehrer sehr knapp. Um in der Handelsschule den Unterricht mit Fachlehrern anbieten zu können, sprach Herr Goerdt an den umliegenden Volks- und Realschulen Lehrer an, nebenamtlich an unserer Schule zu arbeiten. Aus diesem Grund gab es bis zu Beginn der achtziger Jahre sehr viele Lehrkräfte aus verschiedenen Schulen, die sich untereinander nur bei Konferenzen trafen. Erst seit ca. 1985, als die sogenannte "Lehrerschwemme" für große Arbeitslosigkeit in diesem Beruf sorgte, endete die Beschäftigung im Nebenamt und die Lehrer unterrichteten hier hauptamtlich.
Herr Goerdt erzählte uns, dass es keine richtigen Einstellungsgespräche gab, sondern dass er die meisten Fachlehrer auf Empfehlung anderer eingestellt hat; so z. B. Frau Schulte, die vorher in Texas gelebt und gearbeitet hat.
Wie ist das - ein Schulleiter im Ruhestand? Er vermisst zwar die Schule, die Atmosphäre und vor allem die Kontakte zu den Schülern. Deshalb war er zu Beginn seines Ruhestandes noch sehr oft zu Gast. Er erinnert sich sehr gern an die schönen Feste, die zu seinem Abschied vom Kollegium und auch von der Josefs-Gesellschaft gestaltetet worden sind. Aber nun genießt er den Ruhestand und hat viele Hobbies, die er pflegt. Die Schule sieht er bei seinem Nachfolger, Herrn Conin, in guten Händen. Zitat: "Ich hoffe und denke, dass Herr Conin die Schule in meinem Sinne gut weitergeführt hat".
Im Laufe der Zeit (fast 50 Jahre!) ist hier in der Schule vieles anders geworden. Dazu meinte Herr Goerdt, dass diese Veränderungen mehr eine Reaktion der Schule auf die Erfordernisse der Wirtschaft wären. Der Einzug der PCs in Büros und Amtszimmer stellt andere Erfordernisse an die Arbeitnehmer. Und darauf sollte eine gute Schule vorbereiten.
Er findet es jedoch ziemlich schade, dass es keine Abschlussprüfungen mehr gibt. In den Anfangsjahren umfasste diese Abschlussprüfung schriftliche Arbeiten in sieben (!) Fächern (Deutsch, Englisch, kaufmännisches Rechnen, Betriebswirtschaftslehre, Buchführung, Stenografie und Maschinenschreiben). In mindestens einem Fach musste der Schüler oder die Schülerin sich mündlich prüfen lassen. Das war für alle Beteiligten, für Lehrer und Schüler, eine sehr große Anstrengung. Wir erfuhren aber auch, dass ganz selten nur dieser Abschluss nicht geschafft wurde. So waren diese Prüfungen für alle etwas Positives, auf das sie mit Stolz zurückblicken können!
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Ich fand Herrn Goerdt sehr nett und bin mir sicher, dass er ein guter Schulleiter und Lehrer war, weil er Humor, Geduld und Einfühlungsvermögen hat. Das ist sehr wichtig, finde ich. Ich glaube auch, dass die Schülerinnen bei ihm viel gelernt haben. Sie mochten ihn, sie haben manchmal mit ihm Kaffee getrunken und einfach mal gequatscht. Aber er hat ihnen auch gezeigt, wo es lang geht. Seine Fächer waren: Mathematik, Buchführung und BWL Er hatte Spaß am Unterricht. Das finde ich super!
Timo R.
In Rhöndorf wurden damals nur junge Männer mit Behinderung unterrichtet, während im Vinzenz-Heim junge Frauen mit Behinderung auf kaufmännische Berufe vorbereitet wurden.
"Früher, so in etwa in den 60-er Jahren, gab es in der Handelsschule einige andere Fächer, als Sie es heute kennen. So gab es auch den Kochunterricht."
Um in der Handelsschule den Unterricht mit Fachlehrern anbieten zu können, sprach Herr Goerdt an den umliegenden Volks- und Realschulen Lehrer an, nebenamtlich an unserer Schule zu arbeiten.
... waren für alle Beteiligten, für Lehrer und Schüler, eine sehr große Anstrengung." Wir erfuhren aber auch, dass ganz selten nur dieser Abschluss nicht geschafft wurde. So waren diese Prüfungen für alle etwas Positives, auf das sie mit Stolz zurückblicken können!
sollte sich eine gute Schule rechtzeitig einstellen. Der Einzug der PCs in Büros und Amtszimmer ist dafür ein Beispiel.