
Frau Elke S. ist eine ehemalige Schülerin des Berufskollegs. Als sie von Herrn Weishaupt erfahren hatte, dass wir planten, innerhalb einer Projektwoche an einer Chronik der Handelsschule zu arbeiten, war sie sofort bereit, sich hier einzubringen. Das, was sie uns spontan und auf unsere Fragen erzählt hat, beeindruckte uns sehr. Wir haben das Interview zusammengefasst:
Elke war von 1985 bis 1987 hier an der Handelschule im Vinzenzheim in Aachen. Sie war nicht in der Vorklasse, denn sie hatte den Abschluss der Realschule. So besuchte sie die Handelschule und zog diese innerhalb von zwei Jahren durch. Ihr Lieblingsfach war Betriebswirtschaftslehre und auch Deutsch und Englisch machten ihr Freude. Sie verstand sich sehr gut mit ihrer Fachlehrerin für BWL, die es ihrer Meinung nach gut verstand, den trockenen Stoff den Schülern und Schülerinnen mit lustigen Beispielen nahe zu bringen. Probleme hatte sie in den Fächern, in denen mit Zahlen operiert wird. Doch ihr damaliger Mathematiklehrer, Herr Conin, hat ihr den Stoff sehr geduldig erklärt, so dass sie auch hier kaum noch Schwierigkeiten hatte.
Sehr gut erinnert sie sich auch noch daran, dass sie während des Unterrichts stricken durfte, da sich zeigte, dass sie trotz dieser Beschäftigung den Stoff verstand. So konnte sie mit ihrer Strickkunst Herrn Goerdt erfreuen: Die Klasse wollte ihm etwas zu seinem Geburtstag schenken, obwohl er immer wieder gesagt hatte, er wolle keine Geschenke. Sie strickte einen Pullover mit einem "T-Konto" auf dem Vorderteil. An Rücken- und Ärmelteilen arbeitete sie im Unterricht, wobei sie bei Herrn Goerdt auch immer wieder Maß nehmen konnte. Dabei erklärte sie, sie wolle für ihren Vater, der Herrn Goerdts Statur hätte, einen Pullover stricken. Das Vorderteil konnte sie natürlich nur außerhalb des Unterrichts stricken. Am Geburtstag wurde der fertige Pullover am Kartenständer befestigt. Als Herr Goerdt daran erinnerte, dass er ja keine Geschenke haben wollte, meinte Elke: "Das ist auch kein Geschenk, das ist ein Produkt des Unterrichts!"
Elke findet es schade, dass die Abschlussprüfungen abgeschafft worden sind. Für sie war die Prüfung etwas, das zeigte: Ich habe hier etwas abgeschlossen, wirklich etwas geschafft. Mit dieser Motivation hat man auch bessere Chancen im Beruf. Auch für sie war die Prüfung eine sehr wertvolle Erfahrung, die sie nicht missen möchte.
Eigentlich wollte sie nie in den kaufmännischen Bereich, aber trotzdem hat die Handelsschule ihr für ihr ganzes Leben viel gebracht, da sie gelernt hat, sich durchzusetzen. Nach der Handelsschule begann sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau, merkte jedoch sehr bald, dass dies nicht ihren Vorstellungen entsprach. Nach sieben Monaten beendete sie ihre kaufmännischen Ausbildung und entschied sich für den Beruf der Erzieherin, trotz vieler Bedenken ihres Umfeldes.
Sie arbeitete zuerst in einem Kindergarten. Sie erzählte uns, dass die Kinder dort sie fragten, welche Behinderung sie hätte, Sie antwortete ihnen, dass sie von Geburt an so wäre. Damit war dies Thema für die Kinder erledigt. Einmal, so berichtete sie uns, hörte sie, wie ein Kind am Tisch andere fragte, warum Elke denn so wäre. Bevor sie erklären konnte, meinte ein anderes Kind: "Ach weißt du, das ist eben so. Das ist wie im Karneval: Einer ist Clown und ein anderer ist Cowboy!"
Dann arbeitete sie in einer Einrichtung für psychisch Kranke. Sie erzählte uns von einer Situation mit einem Jungen, der sehr verschlossen war. Da sie aber, weil sie selbst Erfahrung mit den Problemen ihrer eigenen Behinderung hat, sehr gut in die Situation anderer einfühlen kann, gelang es ihr, dass er sich nach einem Gespräch sich wieder geöffnet hat. Sie erzählte uns außerdem noch, dass sie manche Aufgaben, die ihr Beruf so mit sich bringt, nicht erledigen kann, z. B. Betten beziehen. Dafür schreibt sie aber bei Teamsitzungen die Protokolle.
Auch im privaten Bereich steht sie mit beiden Beinen im Leben. Elke ist alleinerziehende Mutter und hat die Probleme, die dies mit sich bringt, gut gelöst. Inzwischen ist ihre Tochter selbst berufstätig und hat eine eigene Wohnung.
Wir alle waren von Elke sehr beeindruckt. Wahrscheinlich werden nur wenige von uns den Mut und die Kraft aufbringen, Beruf, Behinderung und die Rolle der alleinerziehenden Mutter unter einen Hut zu bringen. Wir glauben dass viele Menschen, auch Menschen ohne Behinderung, noch viel von ihr lernen können.
Gut, dann fang ich jetzt einfach mal an zu erzählen, was für mich persönlich von Bedeutung, besser gesagt, erwähnenswert war.
Wir alle hatten in dieser Projektwoche, in der es um das Thema "Schulchronik der Handelsschule" ging, die Gelegenheit, viel Neues und Interessantes über die Vergangenheit der Handelsschule im Vinzenzheims in Aachen zu erfahren. Wir führten Interviews mit ehemaligen Lehrern und auch einer ehemaligen Schülerin. Es war sehr interessant für mich zu erfahren, wie diese Menschen ihre Zeit hier erlebt hatten. Besonders interessiert hat mich die Geschichte von Elke.
Diese Frau stand uns mit einem Selbstbewusstsein gegenüber (ich zumindest sah das so) und hatte keine Probleme damit, uns einiges aus ihrem Privatleben zu erzählen. Sie ist Contergan geschädigt und hat eine Tochter, die sie allein großzog. Als sie vor ca. 20 Jahren Schülerin in dieser Schule war, war ihre Tochter drei Jahre alt. Es ist für mich beeindruckend, dass eine junge Frau dazu bereit war, diese Schule zu besuchen und gleichzeitig auch noch für ihr Kind zu sorgen. Eigentlich hatte Elke nämlich nicht vor, die Handelsschule zu besuchen. Sie hatte einen Traum - sie wollte Erzieherin werden. Die Leute vom Arbeitsamt sagten ihr jedoch, dass sie mit ihrer Behinderung sowieso nur ins Büro könnte, wie typisch! Sieben Monate machte sie die Ausbildung zur Bürokauffrau. Tief in ihrem Inneren wusste sie aber, dass sie in diesem Beruf nicht glücklich werden würde. Deshalb kündigte sie die Stelle und meldete sich kurze Zeit später in einer Schule für Erzieher an. Ich finde es klasse, dass sie nicht auf die Meinung der Leute vom Arbeitsamt gehört hat, sondern für ihren Traum kämpfte. Das finde ich einfach super!!!
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Besonders interessiert hat mich die Geschichte von Elke. Diese Frau stand uns mit einem Selbstbewusstsein gegenüber (ich zumindest sah das so) und hatte keine Probleme damit, uns einiges aus ihrem Privatleben zu erzählen.
An Rücken- und Ärmelteilen arbeitete sie im Unterricht, wobei sie bei Herrn Goerdt auch immer wieder Maß nehmen konnte. Dabei erklärte sie, sie wolle für ihren Vater, der Herrn Goerdts Statur hätte, einen Pullover stricken.
Die Kinder haben schnell gelernt, Elkes Behinderung zu akzeptieren. Einmal, so berichtete Elke uns, hörte sie, wie ein Kind am Tisch andere fragte, warum Elke denn so wäre. Bevor sie etwas erklären konnte, meinte ein anderes Kind: "Ach weißt du, das ist eben so. Das ist wie im Karneval: Einer ist Clown und ein anderer ist Cowboy!"
Elke findet es schade, dass die Abschlussprüfungen abgeschafft worden sind. Für sie war die Prüfung etwas, das zeigte: Ich habe hier etwas abgeschlossen, wirklich etwas geschafft. Mit dieser Motivation hat man auch bessere Chancen im Beruf. Auch für sie war die Prüfung eine sehr wertvolle Erfahrung, die sie nicht missen möchte.
Auch im privaten Bereich steht mit beiden Beinen im Leben. Elke ist alleinerziehende Mutter und hat die Probleme, die dies mit sich bringt, gut gelöst. Inzwischen ist ihre Tochter selbst berufstätig und hat eine eigene Wohnung.
findet Elke, dass Menschen mit einer Behinderung lernen, ...
Elke hat extra noch mal angerufen und uns gebeten, diese Punkte in unserer Seite aufzunehmen!